Fünf Uhr fünfundvierzig, laute Bässe, fluchende Nachbarn, und ein nerviger Wecker holen mich aus dem Tiefschlaf. Regentropfen klopfen mit leiser Sorgfalt auf das Dachfenster. Es ist Samstag. Ich stelle den Wecker ab, die Bässe der abendlichen WG-Party werden zunehmend leiser.
Aufstehen, Duschen, Anziehen, Kaffee kochen. Der morgendliche Ablauf. Ein Blick aus dem Fenster bringt Gewissheit: das Wetter hat sich beruhigt, der Himmel ist jedoch betrübt. Immernoch müde, aber mit hoher Sorgfalt packe ich meine Tasche. Das Nötigste befindet sich in ihr: Portemonaie, Schlüssel, Ipod und Kamera samt 35mm Objektiv. Geschwind zieh ich mir die Schuhe an, und schwinge zur Tür hinaus. Auf geht’s, zum Jenaer Flohmarkt.
Wenige Laufschritte später erreiche ich den Markt. Die ersten Händler sitzen schon verkaufshungrig in ihren Klappstühlen. Man kennt sich untereinander, die Gespräche und dampfenden Thermoskannen belegen dies. Die ersten Gäste bestaunen bereits den Prunk und Glanz vergangener Tage. Alte Kassettenrecorder, Silberbesteck, Puppen, Schallplatten und Ü-Ei Figuren füllen die Stände.
Mein Schritttempo verlangsamt sich, mein Blick schweift von links nach rechts, ich betrachte die alten Waren. Einige Stände weisen merkwürdige Gegenstände auf, welche ich noch nie gesehen habe – ich fühle mich wie in eine andere Zeit versetzt. Mein Hauptaugenmerk liegt, wie sollte es anders sein, auf alten Kameras – desto älter, desto besser.
Einer der ersten Stände bot mir ein ganzes Arsenal davon, der Verkäufer, ein etwa fünfundvierzig Jahre alter Mann, graues Haar und mit einem Biermarken-Tshirt gekleidet, war sich nicht sicher ob diese Apparate noch funktionieren. Der Zustand zeigt deutliche Gebrauchsspuren, die Linsen sind staubig und matt, das Leder der Balgen ist brüchig, und das Messing der versilberten Schrauben schaut schon durch. Finger weg, dachte ich.
Mein Weg führt weiter Richtung H&M-Filiale, die fleißigen Händler bauen immernoch auf. Auf gehts zum Pulverturm, gegenüber der Goethegalerie. Nach kurzem herumschauen erblickte ich den Stand der Begierde. Drei riesige Tische, nebeneinander aufgebaut, etliches Gerümpel strahlt mich an, doch was ist das? Ein vierter, kleinerer Tisch steht nebenan, dieser ist gefüllt mit alten Kameras und einigem Zubehör. Kurz nachdem ich ein Auge darauf geworfen habe, warf sich eine Stimme von rechts in mein Gehör. Es war einer der Verkäufer, geschätze sechzig Jahre alt, graues Haar, und runde kleine Professorenbrille. Ein Fingerzeig später wurde mir die “beste” Kamera gezeigt, ein russischer Nachbau einer Leica II, nett. Leider war der Zustand ähnlich wie beim ersten Kamerastand, der Sucher war vergilbt, der Schärfetubus hat gewackelt, der Blendenring war enorm schwergängig. Schnell habe ich dieses Stück sowjetische Altmetall weggelegt. Leider waren alle anderen Kameras in selbigen Zustand, dafür aber der Verkäufer sehr nett.
Ich ging den Teichgraben weiter hinab. An einem Bücherstand blätterte ich etwas herum, anschließend kaufte ich ein Buch( “Das Handbuch des Maschinenbau”) für 3 Euro. Sehr interessante Lektüre zum Nachschlagen. Der Kamerastand interessierte mich immernoch ungemein, trotz des miserablen Technikzustandes. Ich pendelte noch einmal hin und her, habe aber nichts gekauft. Langsam aber sich bekam der Flohmarkt Hochkonjunktur, die Leuten drängten sich aneinander vorbei, ich bekam heftiges Feilschen, wie auf einem Basar, an einigen Ständen mit. Die Stimmung stieg, die Sonne schaute mittlerweile auch durch das graue Himmelszelt. Gegen zwölf Uhr bauten die Stände wieder ab, die Stadtmitte wurde vom ansteigenden Menschenwahn, auf Stadtbummeltour, gefüllt. Langsam aber sicher wurde es mir auch zuviel, ich begab mich auf den Heimweg.
Zu meinem Buch gesellte sich noch die Autobiographie von Reinhold Messner, und eine große Lupe. Beides für jeweils ein Euro fünfzig. Schon in der Einleitung habe ich meine Kamera samt 35mm Objektiv erwähnt, diese Kombination ergab einige schöne Impressionen, wieder in schwarzweiß.