Ihr kennt es sicher: ihr befindet euch im Urlaub, unternehmt eine Wanderung und die Sonne bräunt eure Haut. Plötzlich seht ihr ein ganz tolles Motiv, wie aus dem nichts erstreckt sich eine unbeschreibliche Landschaft, die Kamera wird hektisch aus der Fototasche gezogen um ein Bild aufzunehmen. Die Finger gleiten zielstrebig über die Bedienelemente, und die Einstellungen sind in wenigen Sekunden getan. Klick. Klick. Ein letztes Klick sichert ein scharfes Bild.
Anschließend der Kontrollblick aufs Display: Himmel gut, Boden zu dunkel. Der ambitionierte Fotograf ist nicht dumm, misst auf den Boden. Klick. Der kritische Blick wandert aufs Display: Boden gut, Himmel überstrahlt. Was nun??
Hier hilft nur eins: ein Grauverlauffilter. Was ist das genau? Ein Grauverlauffilter besitzt eine zweigeteilte Fläche. Eine dieser Flächen ist normal transparent, die andere weist eine Verdunklung auf. Die dunkle Fläche wird genutzt, um bestimmte Bildbereiche abzudunkeln, meistens wird dies der Himmel sein. Man kann es auf diesem Bild erkennen:
Ich möchte hier auf den Cokin-Grauverlauf eingehen, meiner Meinung nach ist dies die universellste Lösung. Im Video habe ich bereits angesprochen, dass man den Filter auf sein Bild anpassen kann, und nicht auf übliche Schraubfilter mit 50%-Teilung angewiesen ist. Cokin ist ein französisches Unternehmen, dieses hat sich auf Filter und passende Haltesysteme spezialisiert. Die Produktpalette ist sehr gut, angefangen von Farb-, Grau-, Verlauf-, bis hin zu Spezialfiltern. Zur Montage benötigt man einen Cokin-Adapterring, sowie einen Filterhalter. Der Halter wird auf den Adapterring gesteckt, dadurch ist er um 360° radial drehbar.
Das obige Bild zeigt zwei verschiedene Grauverlauffilter: der P120 dunkelt etwa um 1 Blende ab, der P121 um 2 Blenden. Persönlich nutze ich sehr gern den P121.
Wie geht man nun vor?
Zu allererst muss die Belichtung von Boden und Himmel gemessen werden, dafür nutzt man idealerweise die Spotmessung oder Mittenbetont. Man wird feststellen, dass der Boden oftmals “dunkler” als der Himmel ist, dies resultiert logischerweise vom Sonnenlicht, welches am Himmel leuchtet.
Nehmen wir uns ein einfaches Beispiel: der Himmel wird mit 1/400s gemessen, der Boden mit 1/100s. Dies sind glatte zwei Blenden Unterschied (1/400 -> 1/200 = 1 Blende ; 1/200 -> 1/100 = 2 Blenden).
Die Belichtung des Bodens wird entweder direkt in den manuellen Modus übertragen, oder in den Belichtungsspeicher genommen. Nun kann man seinen Cokin-Grauverlauffilter einschieben, und auf seinen Himmel ausrichten, man wird deutlich die Verdunklung im Sucher erkennen. Nehmt das Bild auf, und begutachtet es auf dem Display. Glückwunsch, ihr habt jetzt ein sehr schönes Landschaftsfoto, mit ausgewogener Belichtung von Himmel und Boden
, auf eurer Speicherkarte.
Ich habe dafür auch ein Beispiel, es zeigt eine Landschaftsaufnahme vom gestrigen Tag. Die Einstellungen waren (bei vollen Sonnenschein): 22mm – f/6.3 – 1/250s – ISO100.
Das erste Bild ist komplett ohne Verlauffilter entstanden, man kann deutlich sehen, dass die Wolken etwas ausbrennen.
Bild zwei bekam Unterstützung durch den Cokin P120, 1 Blende im Himmel abgedunkelt. Das letzte BIld wurde mit dem P121 aufgenommen, hier sieht man deutlich die zwei Blenden, die Wolkenstruktur zeichnet sich stark ab, eine sehr düstere Stimmung kommt auf.
Ich habe bewusst auf eine schwarzweiß-Konvertierung Wert gelegt, dadurch werden die Helligkeitsunterschiede gut verdeutlicht. Alle Bilder wurden mit derselben Einstellung im Lightroom bearbeitet. Bild Nummer eins hätte man auch so verwenden können, und anschließend im Lightroom oder Photoshop manuell einen Verlauf einfügen können.
Als Zusammenfassung möchte ich sagen, dass es ein wirklich sinnvolles Zubehör ist, welches bei keinem Landschaftsfotografen fehlen sollte. Der Halter und die Adapterringe halten sich preislich im Rahmen, die Filter selbst sind etwas teurer, dafür aber langlebig und auf jedem Objektiv (bis 82mm Filtergewinde) verwendbar. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt: die Verlauffilter nehmen keine Rücksicht auf “Nicht-Himmel”-Objekte, Häuser oder Strommasten (in meinem Fall Windräder) werden natürlich mit abgedunkelt, sobald sie im Verlaufbereich liegen.
Dies muss man beachten.
Zwei Bilder vom gestrigen Tag möchte ich euch nicht vorenthalten.





