FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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Hamburg & die Blackmagic Pocket – Reisebericht und -video

 
 
 

Im Januar waren wir unterwegs in der freien Hansestadt Hamburg. Es ging bequem mit der Bummelbahn nach Göttingen, leider fuhr uns der Anschlusszug direkt vor der Nase davon, ein toller Start in den Tag. Nach einem Snack und Beruhigungskakao saßen wir im ICE Richtung Zielhafen. Herrlichster Sonnenschein flutete unseren Körper, und je weiter wir Richtung Norden kamen, desto weniger Winter wurde es. In Hamburg angekommen packte uns gleich die Großstadtwelle und spülte uns vor die Tore des Bahnhofs. Es war laut, kalt, und überall Menschen. Was mich sofort an Urlaub erinnerte war das Kreischen der Möwen – sofort hatte ich Ostseestimmung und Gute Laune.

Wir suchten via Handy unser Hostel, es war nur fünf Gehminuten entfernt und lag direkt gegenüber des Hauptbahnhof. Ohne es zu bemerken, standen wir vor dem mehrgeschössigen Backsteinhaus. Generator prangte über der Tür. Innen war es sehr gemütlich und vor allem warm. Nach dem Checkin fuhren wir auf’s Zimmer und waren positiv überrascht. Ein schöner Ausblick auf die Kreuzung und den Hauptbahnhof erwartete uns. Generator Hamburg war ein ehemaliges Tonstudio, in welchem auch die Beatles einige Songs aufgenommen haben, später wurde es dann zu einem schicken Hostel umgebaut.

Nachdem wir uns ein wenig geordnet und kultiviert hatten, ging es zur Erkundungstour durch Hamburg. Quer durch den Hauptbahnhof und die Mönckebergstraße hinunter zum imposanten Rathaus. Wir schlenderten, froren, und kehrten bei einem Bäcker zu Kaffee und Kuchen ein. Am frühen Abend ging es zurück ins Hostel. Dort angekommen planten wir unsere Sehenswürdigkeitentour an der Hostelbar mit ein paar Cocktails. Angeheitert und mit voller Liste ging es ins Bett. Das Hostel war gut besucht, jede Menge unterschiedliche Kulturen und Menschen kreiselten um die Bar. Alles ging harmonisch und in englischer Sprache von Statten.

Am nächsten Morgen stärkten wir uns am Frühstücksbuffet des Hostels. Anschließend ging es zu Fuß in die Speicherstadt. Diese kannte ich bisher nur von Fotos und war sehr gespannt. Schon von weiten konnte man die schönen Klinkerbauten sehen. Wir betraten die Speicherstadt über eine der unzähligen Brücken. Sofort war ich positiv von der Optik angetan, mir gefällt dieser Baustil durch seine warme Farbgebung und massive Präsenz. Wir schlenderten durch das Viertel und machten uns in Richtung Elbphilharmonie auf. Hängengeblieben sind wir aber am Speicherstadtmuseum. Es hatte viel Charme sich über die historische Entwicklung der Speicherstadt zu informieren, aber vorallem war es warm und gemütlich. Kurzerhand streiften wir hindurch und konnten viele Fakten über Kaffee- und Teeimport, sowie die Entstehung von Hamburg zur Hansestadt mitnehmen. Sehr informativ. Wir waren richtig heiß auf Kaffee und Kuchen, drum tangierten wir die Elbphilharmonie kurz und ließen uns in der Kaffeerösterei ein paar Ecken weiter nieder. Es war ein unglaubliches Gefühl schon auf der Schwelle von Kaffeeduft umhüllt und eingeladen zu werden. Wir waren sofort verliebt als wir die dicken Moltonvorhänge beiseite schoben und die heiligen Hallen betraten. Eine imposante Theke mit großer Kuchenauslage, freundlich dreinschauendes Personal, und schöne Kaffeevollautomaten im Hintergrund waren der Blickfang. Gegenüber der Theke waren große Röstereimaschinen am werkeln, ringsrum kreiselten einige Mitarbeiter und kontrollierte die Qualität und Temperatur. Ein schöner Anblick. Zwischen Theke und Maschinenpark gab es für die Gäste einen Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheit. Wer einen Platz an der großen Fensterfront erhaschen konnte, durfte in die Kanäle der Speicherstadt schauen und die Strömung des Wassers beobachten. Wir verbrachten dort einige Stunden und genossen Kaffee und Kuchen.

Aufgewärmt und voller Tatendrang ging es in den Hamburger Dungeon. Der Dungeon ist ein interaktives Theaterspiel, welches einen in das historische Hamburg mitnimmt, und Geschichte live erleben lässt. Schon der Beginn war ein tolles Erlebnis, ich wurde von Marie enthauptet und dabei noch fotografiert… das hat ihr gefallen.
Wir durchstreiften mit tollen Charakteren den Dungeon, zuckten sehr oft zusammen, und hatten eine tolle Zeit. Man wurde in eine andere Welt entführt und mitgerissen – ganz großes Kino.

Als wir lebend aus dem Dungeon kamen, ist die Dunkelheit schon hereingebrochen. Wir hatten unser Andenken eingepackt und streiften in Richtung Hamburg City um etwas zu Essen. Herausgekommen sind wir bei einem kleinen Italiener. Wir hatten leckeres Essen und eine Menge Spaß, die Flasche Wein hatte daran einen großen Anteil. Wir fielen ins Bett und schliefen wie Steine.

Der darauffolgende Tag war kalt, sehr kalt. Nach unserem Frühstück brachen wir in Richtung Landungsbrücken respektive St.Pauli auf. Meine Idee war zu Fuß zu gehen, da sieht man schließlich am meisten von der Stadt. Leider unterschäzte ich die Kälte und den Weg, es war ein langer Marsch. Nach fast zwei Stunden kamen wir in St.Pauli an – wir wollten uns das Wachsfigurenkabinett Panoptikum ansehen. Mit großer Erwartung standen wir vor verschlossener Tür und schauten auf den Zettel im Kassenhäuschen: Geschlossen wegen Ferien. Prima, toller Start in den Tag. Frustriert ging es zurück zu den Landungsbrücken. Uns war kalt und wir hatten Hunger. Wir entschlossen uns das HardrockCafe Hamburg aufzusuchen, welches an den Landungsbrücken zu finden ist. Leider war dies keine Erfüllung. Teures Fastfood und ein Cocktail später ging es zurück in die Kälte, wir mussten zurück zum Hostel um uns auf unser Musical vorzubereiten. Diesmal nahmen wir die S-Bahn und waren überrascht, dass uns diese bis direkt vor die Haustür gefahren hat. Toll!

Wir kamen im Hostel an und legten uns noch ein wenig auf’s Ohr. Mit schrillem Ton wurden wir geweckt, Zeit sich für die Abendgestaltung schick zu machen. Wir fuhren wieder mit der SBahn zu den Landungsbrücken, um dort auf das Shuttle-Boot zur Theaterinsel zu wechseln. Es war ein schöner Anblick all die Lichter des Hafens, der Elbphilharmonie, und der kleinen Schiffe zu beobachten. Ich war aufgeregt. Im Theater war einiges los, viele schick gekleidete Menschen, man stand mitten in einem akustischen Sumpf aus Gesprächen, Geräuschen und einer dumpfen Hintergrundmusik. Im gesamten Raum lag Teppich, in der Mitte war die Garderobe. Links und rechts davon ging es trichterförmig eine Treppe hinauf zu einer kleinen Bar und dem Musicalsaal. Wir betraten den Saal und nahmen Platz. Es war ein riesiger Saal. Am unteren Ende konnte man die Bühne sehen, es war ein weiter Weg hinab. Die Bühne war schön gestaltet, vor er Bühne befand sich der Orchestergraben. Links und rechts im Saal waren zwei kleine Balkone, in welchen sich zwei Percussion-Künstler befanden.

Wir saßen sehr nah an der Bühne, hatten einen guten Blick. Wie aus dem Nichts wurde es dunkel und eine grelle Frauenstimme sang ein afrikanisches Lied – es war der Beginn von König der Löwen. Ich war aufgeregt, mein Puls fing an auf Hochtouren zu laufen, meine Hände wurden zittrig. Die Show wurde von Minute zu Minute schneller, immer mehr Menschen kamen auf die Bühne, sangen Lieder, hüpften, drehten, tanzten, Lichteffekte… es war für mich eine Reizüberflutung. Was war nur los mit mir? Die Künstler taten ihr Bestes die Leute zu unterhalten, ich tat mein Bestes mich zu beruhigen. Dann kam die erlösende Pause, ich musste hier raus. Nach einer Flasche Wasser und dem Örtchen ging es mir etwas besser. Doch als es wieder zurück in den Saal gehen sollte, überkam mich wieder dieses Gefühl. Ich musste Marie allein zurücklassen – mein Körper wollte nicht zurück in diese Situation. Also schaute ich mir das Spektakel draußen am Bildschirm an. Es war nachwievor imposant, ich hörte die Sänger und Musik bis vor die Saaltore. Auf dem TV konnte ich auch das Orchester sehen. Soetwas ist mir noch nie passiert – der Körper hat sich radikal gegen diese Art der Unterhaltung gewehrt. Unbeschreiblich. Nachdem die Vorstellung vorbei war, ging es zurück auf’s Shuttleboot und zurück zum Hostel. Ich musste über all das noch lange nachdenken, die Nacht war sehr unruhig.

Am nächsten Tag suchten wir Entspannung. Wir fanden sie mit dem Besuch des Kunstmuseum Hamburg. Es war interessant sich durch die unzähligen Gänge zu bewegen, überall hingen teils übergroße Gemälde längst verstorbener Künstler. Leider sind wir in eine Gruppe von Schülern gekommen, welche den Sinn dieser Exkursion nicht verstanden oder gar akzeptiert hatte. Sie lungerten auf dem Parkett herum und füllten lustlos irgendwelche Aufgaben aus. Vor einigen Bildern saß eine Gruppe Senioren auf Klappstühlen, angeführt von einer grauhaarigen Frau mit Zeigestock und Knotenhalstuch. Alle hörten ihr gespannt zu. Ich wurde Zeuge einer künstlerischen Bildbesprechung. Die Frau mit Zeigestock redete mit einer Art und Weise über die Farben und Strukturen des Bildes, man hätte denken können sie sei leibhaftig am Schaffensprozess beteiligt gewesen. Bei einigen Gemälden musste ich dreimal hinschauen um es von einem Foto unterscheiden zu können, sie waren so fotorealistisch und detailreich gemalt, fast schon unwirklich.
Nach einigen Stunden wurden wir müde und lauffaul, auch unsere Konzentration und Aufmerksamkeit nahm drastisch ab. Wir entschieden uns das Museum zu verlassen und wieder einmal in Hamburgs Innenstadt zu schlendern.

Bei bestem Sonnenschein ging es den Ballindamm hinab zur Binnenalster. Das Wetter war aufgeklärt, unser Ziel sollte die Elbphilharmonie sein. Auf dem Weg dorthin wurden wir jedoch wieder von Kaffeelust in die Kaffeerösterei gezogen. Dort versackten wir wieder bei Kaffee und Kuchen, und kauften beim Verlassen auch leckeren Espresso für daheim. Die Sonne näherte sich langsam dem Horizont, und wir uns der Philharmonie. Am Fuße dieses fast eine Milliarde teuren Bauwerkes gibt es eine Rolltreppe. Nachdem wir uns ein kostenloses Ticket geholt hatten, ging die Fahrt durch einen organisch anmutenden Tunnel nach oben. Oben angekommen wechselt sich die Architektur mit Klinker, Spiegel, Glas und Säulen sehr harmonisch ab. Der Zugang zu den Säalen war uns verwehrt, aber ein Heraustreten auf die Panoramaterasse haben wir uns nicht nehmen lassen. Es war zwar kalt und windig, aber ein Blick über die Speicherstadt zur Blauen Stunde entschädigte für alles.
Alles in allem empfinde ich persönlich die Elbphilharmonie als ein sehr schönes Bauwerk, es schmiegt sich nahtlos in die Speicherstadt und deren Architektur ein.

Auf dem Heimweg mit der S-bahn setzte uns die Kälte so richtig zu, und wir waren froh als wir im Hostel ankamen. Zum Abendessen gab es Tomate-Thunfischsalat für Marie, und eine originale Currywurst für mich – deliziös! Unsere letzte Nacht in Hamburg setzte ein.

Am kommenden Morgen packten wir unsere Koffer, und entschieden uns für ein abschließendes Frühstück in einem der vielen Cafes in der Langen Reihe. Nur wenige Gehminuten vom Hostel entfernt fanden wir unser Glück im Cafe Uhrlaub. In schönem gemütichen Ambiente gab es alles was das Herz begehrt. Satt und zufrieden verließen wir die Lange Reihe, begaben uns zum Hostel um unsere Koffer abzuholen. Anschließend ging es völlig entspannt zur Abreise in den Hauptbahnhof. Hamburg war für uns ein tolles Erlebis, welches uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. ;-)

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Ich nahm diesen Kurztrip nach Hamburg zum Anlass, um mich meinem ersten “großen” Reportage-Projekt mit der Blackmagic Pocket zu widmen. Bisher habe ich damit lediglich einige Testclips zusammengestellt und mich mehr schlecht als recht dem Thema Colorgrading gewidmet. Im Sommer 2016 habe ich mich jedoch hingesetzt und viel geübt und mich mit Davinci-Resolve beschäftigt.
Mein Setup bestand aus:

- Blackmagic Pocket
- Samyang 12mm f/2 Objektiv
- SmallRig-Bmpcc Käfig
- JJC Pistolengriff & Kinothenik Displaylupe
- drei Akkus und einigen Speicherkarten

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Durch den Pistolengriff hat man einen weiteren Stabilisierungspunkt, sowie einen Start/Stopknopf. Als Akkus kamen Chilipower EN-EL20 (1200mAh) Nachbauten zum Einsatz. Ich konnte mit einem Akku etwa 30min reine Aufnahmezeit, bei LCD-Helligkeit 10%, erreichen. Durch das 12mm Objektiv und dessen Lichtstärke war es sehr universell einsetzbar. Es gab nur wenige Szenen bei welchen ich die Iso erhöhen musste. Durch den Smallrig-Käfig hat man unzählige Gewinde für Zubehör. An einem war der Pistolengriff, an einem anderen ein Kameragurt, sodass ich diese neben meiner Tasche “baumeln” lassen konnte und die Hände frei hatte. Beim Run&Gun Filmen mit der Pocket gefällt mir die Unauffälligkeit. Die Menschen schauen zwar etwas ungläubig, jedoch nehmen sie die Kamera nicht als Videokamera wahr, dadurch bleiben sie relativ “normal” und drehen sich nicht wie bei einem Fotoapparat weg. Es gab einige neugierige Fragen bezüglich der Displaylupe und des Pistolengriff – die Resonanz im öffentlichen Raum war grundlegend positiv und offen.

Ich habe alle Clips in ProResHQ aufgenommen, anschließend in Davinci Resolve geschnitten und die Farbkorrektur vorgenommen. Da ich gute Erfahrungen mit LUTs gesammelt habe, gönnte ich mir das Visioncolor Osiris LUT Paket. Alle Clips sind mit dem Vision6 LUT belegt und angepasst. Was mir bei der Pocket allerdings auf die Füße gefallen ist: der Ton! Incamera-Ton ist katastrophal, da muss eine Lösung mit Mikrofon/Rekorder her. An manchen Stellen hätte ich mir Originalton gewünscht, um dem Film noch etwas mehr Ambiente und Persönlichkeit zu geben. Ich habe mir dann mit freien Ambient-Soundaufnahmen (Cafegeräusche, Stadtleben…) von Youtube geholfen.

Was ich bei diesem Projekt gelernt habe:

- Volle Akkus sind Gold wert, man sollte mindestens 3 pro Tag einplanen
- O-Ton ist wichtig -> mit Mikrofon oder Rekorder arbeiten
- doppelt und dreifach filmen, immer an Füllszenen, Details, und Totalen denken (“Geschichte erzählen” Was, Wo, Wer?)
- keine Scheu vor der Öffentlichkeit, den meisten Menschen bist du egal
- immer bereit sein (Stichwort: Momentaufnahme)
- für besonders ruhige Szenen ein Notfall-Einbeinstativ mitnehmen

Das ist das Ergebnis:

 
 
 
 

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