FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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Jena – Warnemünde in 24 Stunden

 
 
 

Prolog

Mit lautem Zischen rauscht ein Lkw auf der B103 an mir vorbei und holt mich aus meinem Tagtraum. Mein Blick fällt auf den grellen Asphalt des Weges den ich befahre, die Hitze drückt und mir laufen kontinuierlich Tropfen von der Nase. Nur noch wenige Kilometer trennen mich von meinem Zielort. Ich greife an meinen Rücken und ziehe eine kühle Wasserflasche aus dem Trikot, gieße es mir über den Kopf, und versinke wieder in Tagträumen.

Tag eins

Vor knapp vierundzwanzig Stunden sattelte ich in Jena auf. Unter besten Bedingungen, meteorologisch sowie körperlich, rollte ich in der Morgensonne dem Saale-Radwanderweg entgegen.Anfangs musste ich die vollgepackten Taschen ein wenig hin- und herzupfen bis alles am richtig Ort saß. Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug. Lediglich ein schabendes Geräusch von Kunststofffaser auf Metall, sowie leises Kettenrasseln und ab und an ein Schaltvorgang begleiteten mich auf meinem Weg nach Camburg. Vorbei ging es an Wiesen und Feldern, die Saale immer im Blick. Nach den ersten zwei Stunden kontrollierte ich den Tachostand. Leichtfüßige zweiundfünfzig Kilometer zeigte jener an – ein toller Start für den ersten Tag.

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In Naumburg angekommen verlor ich kurzerhand den Pfad aufgrund diverser Umleitungen. Zum Glück hatte ich eine Gps-Navigationsapp auf dem Smartphone, welche mich ganz gut durch jene Schatten lotste. Mit Naumburg im Rücken überholte ich zwei Mountainbiker, diese waren zügig unterwegs. Auf ein Grüßen meinerseits bekam ich anstatt Zahnschmelz entsetzte Blicke zu sehen. Auf soviel Unfreundlichkeit überkam mich ein Gefühl die beiden zu überholen.

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Der Radweg war abwechslungsreich, zwischen sehr guten Asphaltwegen reihten sich Schotterwege und einige kurze Waldpassagen. Ich näherte mich drei Stunden Fahrtzeit und entschied mich für eine kurze Rast. Aufgetankt wurde mit voluminösen Reiskuchen und etwas Wasser.

Aufgrund der Jahreszeit wurde es kurz vor Mittag schon sehr warm. Schweiß tropfte genauso wie die Restkilometer. Ich erreichte Merseburg und prompt verfuhr ich mich. Wieder half mir das Gps auf die Sprünge und brachte mich auf den richtigen Pfad. Kurz vor Halle merkte ich allerdings, dass das Navi mir die kürzeste Route berechnet hat. Diesen Fehler bezahlte ich mit vielen Kilometern neben Landstraßen und einer sehr eigenwilligen Route im Zickzackkurs.

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Nicht nur die Mittagshitze brachte mich ins Schwitzen, sondern auch die Tatsache mich wieder in Halle verfahren zu haben. Mithilfe von Gps und einem Opfer in Form meiner Radmütze fand ich aus dieser sächsischen Höllenstadt, und folgte fortan brav einem Radweg neben der B6. Im Schweiße meines Angesichts fuhr ich eine Tankstelle an und kühlte mich mit Cola ab, und füllte meine Flaschen mit Wasser.

Hinter Halle hab ich völlig den Überblick und die Route verloren. Ich folgte nach wie vor einem Handy und skurrilen Wegen quer durchs Sachsenland. Mein nächstes Ziel sollte Köthen sein.
Mein Gepäckschiff schwamm über den Asphalt. Jede Unebenheit und Bordsteinkante verfluchte ich, wusste aber auch das ich daran nichts ändern konnte. Kaugummiartig zogen sich die Kilometer in den dreistelligen Bereich. Nach Tachokontrolle hatte ich etwa fünf Kilometer in Halle und Merseburg vergondelt. Meine Fahrzeit betrug knapp sechs Stunden.

Kurz vor Köthen traf ich auf eine junge Autofahrerin. Sie hatte mich im Klangbild ihrer Basswellen und des dekorierten Spiegels nicht gesehen, und mich angesichts dessen fast über den Haufen gefahren. Meinen Schreck musste ich mit einem frischen Snack und einer Cola an einer Tankstelle abglimmen lassen.

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Mittlerweile war die Hitze unerträglich. Hinter mir lag Köthen, vor mir Pissdorf. Wie es der Zufall wollte, fand ich dort meine Radroute wieder. Bis dato hatte ich knapp über einhundertfünfzig Kilometer abgefahren. Voller Zuversicht erreichte ich Dessau und kam erstaunlich gut durch diese Stadt. Von Dessau ging es über sonnengeflutete und schattenlose Radwege in Richtung Coswig. Besonderer Höhepunkt war die Überquerung der Elbe auf der A9.
Mich durchflutete Energie und Tatendrang. Mir kamen die restlichen hundert Kilometer bis Potsdam als völlig realistisch und erreichbar vor.

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Es war ein tolles Fahren bis Coswig, dort musste ich mich durch ein schlechtes Straßennetz, Industriegebiet, und Wohngebiet kämpfen um auf Kurs zu bleiben. Mit lautem Gepolter rasselte ich über diverses Kopfsteinpflaster, jenes welches sonst nur Traktoren und andere Landwirtschaftsfahrzeuge unter die Räder bekommen. Kein Vergnügen.
Wieder musste ich dem Gps folgen und erreichte mit Kilometer zweihundert Klein Marzehns. Leider hatte ich meinen Mineralienverlust nicht bedacht und die Beine meldeten ein Schwerkraftmaximum. Eine Zwangspause an einer Bushaltestelle erforderte einen Notplan. Potsdam war nicht mehr erreichbar. Ich sammelte die letzten Kräfte und schleppte mich nach Grubo, einem kleinen Örtchen kurz vor Bad Belzig.

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Mit zitternden Knien und andeutenden Krämpfen errichtete ich mein Nachtlager neben einem Sonnenblumenfeld in einem Waldstück. Die Sonne bettete sich neben meinem Lager in ein malerisches Meer aus Lila und Orange. Gute Nacht mein elender Feind. Im Schlafsack verkrochen dachte ich an die schier unglaubliche Leistung, dass ich am ersten Tag zweihundertzwölf Kilometer gefahren bin, und schlief mit Grillenzirpen ein.

Tag zwei

Pünktlich halb sechs wurde ich durch rascheln im Gebüsch aus dem Schlaf gerissen. Die Nacht war sehr warm und traumlos. Zerknittert schlüpfe ich aus dem Schlafsack und prüfe meine Umgebung. Keine Plünderung, keine Tierspuren, keine anderen Schäden erkennbar.

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Nach einem kurzen Frühstück und einen Blick auf die Karte packte ich meinen Krempel zusammen und rollte sehr langsam los. Die ersten Kilometer ging ich sehr sanft an, ich spürte noch immer den Mineralienmangel und die große Distanz vom Vortag in den Beinen. Mein Kumpel Sonne schielte breit grinsend über den Horizont und musterte meine frühes Erscheinen.

Von Grubo ging es via Landstraße nach Bergholz.
Dort kreuzte sich meine Ursprungsroute und ich folgte dieser. Es ging bergauf über einen Waldweg in Richtung Bad Belzig. Ich lobte den tollen asphaltierten Radweg welcher sich durch den Wald zog, perfekt ausgebaut und aalglatt. Ohne es bemerkt zu haben passierte ich am Vortag die Grenze von Sachsen-Anhalt nach Brandenburg. Ein gutes Gefühl.

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In Bad Belzig fand ich ein Netto zum Auffrischen der Vorräte. Ich kaufte Magnesiumreiches Wasser, Brausetabletten, sowie einige Vorräte und Wasserreserven. Frisch gestärkt ging es neben der Landstraße auf perfekten Radwegen nach Brandenburg an der Havel. Durch den guten Untergrund konnte ich mit hohem Tempo viele Kilometer abspulen. Meine Knie hatten sich nach einigen Stunden Fahren und der Magnesiumkeule wieder gut erholt. Alles rollte wie von selbst.

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Leider wurde ich in Brandenburg an der Havel wieder aufgehalten aufgrund von vielen Ampeln und unendlichen Abzweigungen. Ich erreichte Havelsee und musste meine Wasserflaschen auffüllen weil die Hitze unbarmherzig auf mich drückte. Dort konnte ich Hausboote und einen kleinen Yachthafen beobachten. Aber ich musste wieder aufs Rad um mich Ortschaften wie Premnitz, Rathenow und Rhinow zu widmen. Allesamt kleine Dörfchen mit Tankstellen, Einkaufsmöglichkeiten und sehr guten Radwegen. Nach fünf Stunden und knapp einhunderzwanzig Kilometern erreichte ich Neustadt (Dosse). Ich fühlte mich sehr gut, bis auf die sengende Hitze, welche einem das Atmen erschwerte.

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Ich folgte noch immer stur dem Gps – von meiner Radroute keine Spur. Aber mir war es egal weil ich im Zeitplan lag. Nach Neustadt erreichte ich Kyritz und tankte wieder auf.
Leider verlies ich mich zu sehr auf das Telefon, welches mich über wohlklingende Metropolen wie Wutike, Blumenthal, Heiligengrabe und Maulbeerwalde brachte. All diese Höllenlöcher erreichte ich durch die denkbar schlechtesten Wege, eine Mischung aus Plattenweg, Ackerpfad, und zerlöcherten Panzerstraßen. Es war der blanke Horror. Durch diese Bremse wurde mein Zeitplan stark durcheinandergebracht. Während ich mich über all diese Dörfer quälte hatte ich immerwieder Gedanken das Ganze Unterfangen abzubrechen. Stellenweise hatte ich keinen Elan mehr, konnte mich nicht konzentrieren, musste alle paar Kilometer anhalten und mich ins schattige Gras legen weil der Kreislauf erschöpft war. Hitze, Anstrengung und langsames vorankommen forderten mich körperlich sehr. Es war ein Spiel auf Zeit hier im Nirgendwo. Immerwieder rasten Autos an mir vorbei und dreckten mich mit ihrem Staub ein. Die Wasserreserven schmälerten sich stetig.

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Nach einhundertfünfundsiebzig Kilometern erreichte ich Meyenburg. Diese Stadt war für mich ein Segen. Zum einen weil ich es bis hierhin geschafft hatte, zum anderen weil ich von meiner besseren Hälfte via Nachrichten ermutigt wurde weiterzumachen, Kilometer für Kilometer.

Im Stadtkern von Meyenburg fand ich einen Brunnen, in welchem ich meine Füße und Beine abgekühlt habe. Nach den vielen Stunden auf dem Rad konnte ich hier das erste Mal den Dreck der letzten beiden Tage abwaschen. Es war ein so gutes Gefühl sich des mühevoll angesammelten Teint aus Schweiß, Dreck und Sonnencreme zu entledigen. Im örtliche Supermarkt frischte ich nochmal die Reserven auf wollte mich entspannt auf die zweihundert Marke ausrollen lassen. Leider verfuhr ich mich trotz Gps auf schlecht ausgebauten Wanderwegen. Etwa fünf Kilometer Rückweg zur passenden Kreuzung musste bewältigt werden.

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Nach Handy ging es querfeldein über einen Feldweg durch den Wald in ein Naturschutzgebiet. Auf der Karte konnte ich einen See ausmachen, welcher mir als Tagesziel dienen sollte. Es waren noch etwa dreißig Kilometer Entfernung. Während ich über den Waldweg holperte, konnte ich im Kopf die Restdistanz und die etwaige Ankunftszeit errechnen. Nachdem ich das Ende des Waldweges erreicht habe war ich fix und fertig. Die unangekündigte Offroadeinheit tat dem Knie nicht gut und es meldete sich mit leichtem Stechen. Ich wollte das Lager schon an einer Schafweide aufbauen, dann fand ich auf dem Gps einen nahegelegenen See in Kreien. Entfernung knapp zwanzig Kilometer auf solider Landstraße. Mein Kumpel Sonne war schon am untergehen. Ich hatte ein Zeitfenster von knapp zwei Stunden und schaufelte wieder alle Kraft herbei um nach Kreien zu kommen.

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Mein Rad poltere über den restlichen Waldweg. Auf der Landstraße angekommen hatte ich nur noch Tunnelblick und betrachtete den Tacho. Ich feuerte mit hohem Tempo über die Straßen und zählte die Kilometer hinunter. Etwa drei Kilometer vor Kreien überpowerte ich und ein stechender Schmerz ging durch mein linkes Knie. Zwangspause. Unter Schmerz vom Rad, dehnen, gehen, Rad schieben. Ich sattelte wieder auf und wollte unbedingt an diesen See. Unter Schmerz beim pedalieren und mit langsamen Tempo ging es auf und ab. Ich klickte bei Anstrengung am Berg aus den Pedalen, und zog mit dem rechten Bein und leichtem Gang meinen Gepäckzug hinauf. In Kreien angekommen ging es nur noch bergab und ich hatte mehr Glück als Verstand: der See war ein Badesee und ich rollte über eine holprige Zufahrt direkt bis ans Ufer. Unter neugierigen Blicken der Anwohner erreichte ich mein Tagesziel nach zweihundertachtzehn Kilometern und knapp neun Stunden im Sattel. Unfassbar. Ich erholte mich mit Keksen, Wasser und Müsliriegeln von dieser Tortur. Ohne lange zu überlegen zog ich meine Badehose an und legte mich ins kühle Nass des Sees. Ein unbeschreibliches Gefühl von Überwältigung kroch mir von Kopf bis Fuß als ich mich in die kühlen Untiefen legte. Ich saß noch einige Zeit auf dem Handtuch und beobachte den Sonnenuntergang. Nachdem alle Dorfbewohner den Platz verlassen hatten baute ich das Lager auf.

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Leider musste ich Bekanntschaft mit lästigen Blutsaugern machen. Unzählige Mücken suchten mich heim. Ich verlagerte meine Schlafstätte weiter weg vom Ufer. Es wurden weniger Insekten, aber immer wieder kamen sie durch irgendeine Ritze und ließen mich wild um mich schlagen. Ich beobachtete in den mückenfreien Minuten den sternenklaren Himmel, dachte an zuhause, und konnte eine gigantische Sternschnuppe im Augenwinkel sehen.
Irgendwann rollte ich mich in meine Plane ein und kam so zu einer geringen Mütze voll Schlaf.

Tag drei

Unter hochfrequentem Surren diverser Insekten wurde ich wach. Meine Augen waren verquollen, ich hatte einen schweren Kopf und ein schmerzendes Knie. Nichtsdestotrotz mussten heute irgendwie die restlichen Kilometer bewältigt werden. Nach morgendlichem Kaffee und einem tollen Sonnenaufgang packte ich meine Sachen zusammen und holperte im Schneckentempo los. Schon nach wenigen Metern musste ich mir auf die Zunge beißen weil das Knie mehr abbekommen hatte als es sollte. Bei Kraftaufwendung schmerzte es und zwang mich zum Halt.

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Erschwerend hinzu kam noch die schlechte Regeneration durch Schlafmangel. Ich hatte alles falsch gemacht was man falschmachen konnte: kein Autan für die Mücken, Überanstrengung und Müdigkeit. Trostpflaster war, dass das Gps mir nur hundertzehn Kilometer bis zum Zielort ausgerechnet hatte. Es war sieben Uhr morgens und ich saß im Sattel, vielversprechend.

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Ich rollte mit leichtem Fuß und hoher Trittfrequenz nach Lübz. Dort fand ich einen Netto und kaufte mir ein lecker Eibrötchen für das Frühstück. Aber zuerst musste ich irgendwie ins Rollen kommen. Zum Glück konnte ich einen sehr gut ausgeschilderten Radweg parallel zu einer Landstraße nach Goldberg folgen. Leidvoll musste ich feststellen, dass Goldberg wirklich auf einem Berg liegt. Es folgten elende Höhenmeter mit stechendem Knie, immer wieder musste ich absteigen und einige Meter gehen damit es sich wieder stabilisiert. Eine Tortur.

Hinter Dobbertin musste ich abbiegen und eine wenig befahrene Landstraße nach Güstrow über Lohmen und Zehna folgen. Auch für diese Orte musste ich einige Höhenmeter bewältigen und quälte mich. Ständig wurde ich von Lkws und Autos überholt. Mir kam es vor wie eine Bergetappe.

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Von Güstrow ging es nach Schwaan ein kleines bisschen bergab. Vor jeder längeren Abfahrt holte ich Schwung um möglichst weit ausrollen zu können. Mit Schwaan im Rücken waren es nur noch knapp dreißig Kilometer bis zum Ziel. Ich erreichte die fünfhundert Kilometermarke auf dem Tacho und war elend Stolz es soweit geschafft zu haben. Am Ortsausgang konnte ich die ersten Schilder nach Rostock sehen und ersehnte mich dem nahendem Ziel sehr. Es folgten wieder perfekte Radwege durch Wiesen und Felder. Kurz vor Rostock Südstadt wurde es noch etwas knifflig weil das Navi mir eine schlechte Route vorgeschlagen hatte. Leider musste ich immer öfter anhalten weil das Knie zu stechen begann. Nach vielen Ampeln und Kreuzungen hatte ich Rostocks Zentrum hinter mir und war auf der Zielgeraden.

Epilog

Mein Blick hastet ungeduldig zwischen Tacho und Asphalt hin und her. Nur noch fünf Kilometer. Mich macht die Hitze fertig. Immer wieder zischen Autos an mir vorbei. Mir schwirren Gedanken von Zufriedenheit und Ungeduld durch den Kopf. Eine Wurzel welche den Asphalt gehoben hat lässt mich den Untergrund in den Handgelenken spüren. Zum Glück nichts passiert. Noch drei Kilometer. Am nahen Horizont kann ich schon die Kräne sehen, Autos stehen mittlerweile im Stau über zwei Spuren. Ich rolle triumphierend an allen vorbei um mich an einer Fußgängerampel einzureihen. Mein alter Feind die Sonne schickt mir sengende Hitze, Zeit genug um das Gps zu überprüfen. Noch ein letzter Kilometer trennt mich. Schnell haste ich über eine Kreuzung um mich auf dem Radstreifen wieder an allen Autos vorbeizuschieben. Ein Hupkonzert, welches nicht mir gilt, lässt auch die Seniorengruppe auf Trekking-rädern vor mir unbeeindruckt. Ich tropfe aus allen Poren, der Schweiß und Dreck der letzten Stunden klebt an mir, das Knie pocht und mein Körper ist in einem wallenden Zustand. Die Lindenallee öffnet ihre Pforten und ich biege auf die Zielstraße. Mit einem kurzen Schlenker und etwas Schwung rolle ich auf die Strandpromenade und kann das Meer sehen. Aller Schmerz und die Tortur der letzten Tage ist wie von Zauberhand verflogen. Nach rund dreiundzwanzig Stunden reiner Fahrzeit und fünfhundertdreißig Kilometern habe ich den Strand von Warnemünde erreicht. Angekommen.

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Danke fürs Lesen.
Danke an MJ für die Unterstützung während der Fahrt!

 
 
 
 

KOMMENTARE

 
 
  • Rene sagt:

    Sehr schöner Bericht. So eine Tour über zwei Tage schwebt mir auch noch vor.
    Hast du die Strecke einfach vom Navi über Start-Ziel berechnen lassen oder dich an irgendwelchen Radwegen orientiert?
    Kleine Anmerkung: Halle liegt in Sachsen-Anhalt ;-)

    Gruß René

  • Ich habe mal etwas ähnliches gemacht (http://home.arcor.de/familiemakowski/Jena_Zinnowitz.html). Fahrzeit 28 Stunden und 44 Minuten. Allerdings bin ich ohne Übernachtung durchgefahren. Vorsicht Suchtgefahr: seit dieser ersten Tour fahren ich die Strecke jedes Jahr.

    Bernd

  • Stephan sagt:

    Hallo Hannes, es ist spannend, nach ein paar Jahren deinen Blog wieder zu entdecken und von noch mehr spannenden Ereignissen zu lesen. Wahnsinns Tour die du gemacht hast, Respekt! Und ich bin mega neidisch, ja auch auf die Strapazen denn diese lassen einem das Grinsen im Ziel nicht mehr vom Gesicht weichen, aber auch, weil du genau das durchziehst was ich schon lange machen wollte und du mir mit der Tour und deinem Rad (Einfach-Antrieb) voraus bist. Ich bin totaler Fan von https://xpdtn3.club/, vielleicht kennst du die Site ja, ein Vergleich lässt sich super ziehen. Über die finale GPS-Route, das Tooling für die initiale Routenfindung, dein Bike und deine Packliste würde ich gerne noch was lesen, aber ich blätter erstmal durch deinen Blog, möglicherweise finde ich da Antworten:)


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