FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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Himmel-Fahrt 2015

 
 
 

Männertag, Himmelfahrt, Komasaufen – Umschreibungen für einen der wichtigsten Feiertage für die männliche Bevölkerung. Hier darf Mann noch Mann sein, und sich voll und ganz seinen Tag selbst gestalten. Manch einer schmückt mit seinen Mitstreitern einen Wagen, zieht mit Bierausdünstungen, komischen Hüten, und glasigen Augen durch die Lande. Abends werden die kaputten Mannsbilder von den entspannten Frauen abgeholt und wieder für den Alltag sozialisiert. Normales Treiben Jahr für Jahr.

Weil ich in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit Wagen ziehen und Bierausdünstungen hatte, ist meine Tagesgestaltung seit vielen Jahren auf Kurzurlaub ausgelegt. Dieses Jahr ging es mit meinem Radkollegen Flo auf Entdeckungsreise. Wir beide sind Fans von Fahrradfahren mit Leichtgepäck und Schlafen im Freien, neudeutsch “Bikepacking”. Durch diese Kurztrips können wir beide Interessen miteinder verknüpfen. Auch 2015 sollte der Name Programm werden – Himmel_Fahrt.

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Da die Wetterprognose hervorragend aussah, entschieden wir uns für eine Fahrt ans Wasser. Als Ziel nahmen wir uns die Bleiloch-Talsperre vor.
Gegen zehn Uhr traf Flo an meiner Haustür ein, kurz darauf saßen wir im Sattel und kullerten los. Nach wenigen Minuten kam uns ein Bollerwagen mit großer Bassbox entgegen, ringsrum tanzte eine Männergruppe mit lustigen Hüten und Bierausdünstungen. Sie wählten die klassische Tagesgestaltung.

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Wie im Flug hatten wir die ersten zweistelligen Kilometer absolviert. Wir verließen Jena, passierten Maua, Rothenstein, und kullerten in Richtung Kahla. In Jägersdorf sahen wir einen Liegeradfahrer – am Berg wurde er etwas langsamer, wir sprachen kurz mit ihm und überholten. Es dauerte nicht lang und er schoss auf der Geraden an uns vorbei, es war herrlich anzusehen was er für eine Geschwindigkeit mit seinem Gefährt aufbauen konnte. Er war kaum einzuholen.

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Kurz vor Kahla wurde der asphaltierte Radweg zu einer Feldstraße. Wir ließen es mit den Querfeldeinrädern ordentlich krachen und fegten darüber. Genau mein Ding. Ruckzuck waren wir in Kahla und kullerten schnurstracks bis Orlamünde. In Langenorla gab es die erste Rast.

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Gestärkt fuhren wir bis Pößneck, an der Rosenpils Brauerei vorbei, weiter Richtung Ranis. Die Stadt war wie ausgestorben.
Dort erwartete uns der erste lange Anstieg. Durch die kontinuierliche Steigung, der Mittagssonne, und das Gewicht des Gepäcks zehrte das schon ein wenig an der Kraft. Die Oberschenkel und Knie kochten. Von oben konnten wir einen schönen Ausblick über das Saale-Orla-Tal und die Burg Ranis genießen.

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Nach einer flotten Abfahrt durch Ranis ging es gleich wieder bergauf in Richtung Schmorda. Dieses Mal war es nicht ganz so steil, aber Gitterlochplatten und die Länge des Anstiegs zehrten erneut. Ich hörte ein Surren hinter mir und es kullerte ein Mann auf dem Ebike an mir vorbei – ein Grinsen war seinem Gesicht zu entnehmen. Generell sahen wir eine große Anzahl an Ebikes, vorwiegend bei Menschen gehobeneren Alters. Schön wenn diese Gruppe wieder zum Sport findet.

Da bei Flo die Kräfte schwindeten, entschlossen wir uns nur bis zur Hohenwarte-Talsperre zu fahren. Es ging über tolle Radwege und kurze Landstraßenpassagen bis nach Gössitz. Kurz darauf folgte eine schnelle Abfahrt bis zur Linkenmühle. Eine Wahnsinnsstrecke direkt ans Wasser. Es ging mehrere Kilometer nur Bergab – mit über sechzig Kilometer pro Stunde düsten wir Richtung Tourende. Unten angekommen waren wir – gefühlt – Außerirdische. Neben jeder Menge Schlagermusik, Bierwagen, und lustigen Männern mit Hut, wurden wir beäugt. Wir fühlten uns Unwohl und fuhren Richung Campingplatz Linkenmühle. Von dort startete ein Wanderweg rund um die Hohenwarte.

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Anfangs war es eine tolle Strecke, etwas holprig, aber locker fahrbar. Nach einer Weile wurden die Wege schmaler, breite Wurzelteppiche und steile Anstiege mussten passiert werden. Es war ein anspruchsvoller Wanderpfad für Mountainbikes, aber nicht für Querfeldeinfahrer mit Gepäck. Wir mussten viel Geschick und Konzentration aufbringen um nicht rechts in die Hohenwarte zu stürzen. Auf mittlerer Höhe hatten wir einen guten Ausblick und stellten fest, dass der Wanderpfad uns an keine schöne Schlafstätte führen würde.

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Wir entschlossen uns wieder auf das Plateau der Hohenwarte zu fahren um dort Waldnah etwas zum nächtigen zu finden. Aber zuerst gab es wieder steile Anstiege, Geröll, und Wurzeln zu überqueren. Oben angekommen lag die Hohenwarte zu unseren Füßen, es war ein herrlicher Ausblick, welcher für alle Torturen entschädigte.

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Nach Regeneration der Kräfte musste ein geeigneter Lagerplatz gefunden werden. Auf einer Anhöhe über dem Aussichtspunkt sah es gemütlich aus. Wir breiteten uns etwas aus und kochten Kaffee. Leider bekamen wir Besuch von einem KFZ, zwei Herren stiegen aus und schleppten Ausrüstung zum Aussichtspunkt. Nach kurzer Zeit gesellten sich weitere Personen dazu und es wurde lauter. Das war uns nicht gerade Recht und wir packten unseren Kram und suchten eine Alternative.

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Nach nur wenigen Minuten fanden wir eine große Lichtung, am Waldrand war eine kleine Nische. Diese wurde unser Lager – perfekte windgeschützte Lage, etwas ab vom Wanderweg, und genügend Holz für das Feuer.
Pünktlich zum Abend brannte der Hobo-Ofen und wir bereiteten unser Abendessen zu.

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Anschließend sammelten wir etwas Birkenrinde und ich versuchte mich am Feuer machen mit dem Feuerstein. Es klappte erstaunlich gut und das Lagerfeuer brannte zügig. Unsere Abendbeschäftigung lag nun darin mit dem Feuer zu spielen und es am Leben zu halten. Wir bekamen einen schönen Sonnenuntergang als Schmankerl geboten.

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Nach Einbruch der Dunkelheit schlug die Müdigkeit zu und wir verkrümelten uns in die Schlafsäcke. Leider war ich etwas zu optimistisch mit dem Wetter und hatte nur einen leichten Schlafsack dabei. Schon nach wenigen Minuten spürte ich die Kälte durchdringen. Mit den restlichen Klamotten eingepackt und in die Plane gehüllt war es eine sehr unangenehme Nacht.
Irgendwann wurde es dann hell und ich konnte alle Phasen des Sonnenaufgangs beobachten. Morgentau hat mich letztendlich aus dem Schlafsack gezogen, und ich musste mich am Feuer aufwärmen. Flo ging es etwas besser, aber auch sein Schlafsack war nicht gerade das wärmste Modell.
Nach einem halb-missglückten Milchreis-Frühstück sattelten wir auf und begaben uns auf den Heimweg.

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Glücklicherweise war direkt hinter unserem Lager eine Forststraße, welcher wir folgten. Im nächsten Dorf folgten wir der Wanderweg-Beschilderung und wollten Richtung Pößneck. Leider sind im Saale-Orla-Kreis die Wanderwege zum Teil so urig und unbewandert, dass man durch hohes Gras fährt und nicht sieht wohin man fährt. Dazu kamen umgefallene Bäume und Wege, welche in einer Sackgasse enden. Auf soetwas bin ich sehr anfällig und es war sehr stressig. Irgendwann kamen wir in Moxa an und folgten der Landstraße zum nächsten Dorf. Vom schönen Radwanderweg keine Spur. Nachdem mich fast zwei Autos überfahren hätten weil sie meinten ihre Fahrspur reicht zum Überholen, wichen wir auf ein Nebendorf aus. Dort haben wir zum Glück einen Anschlusswanderweg gefunden, welcher uns direkt nach Pößneck führte. Durch diese Irrfahrt hatten wir eine Abkürzung von gut zwanzig Kilometern. Glück im Unglück.

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Ab Pößneck kannten wir den Weg nach Hause und fuhren in Rekordzeit wieder in Jena ein. Zum Abschluss ging es nochmal ans Jenaer Wehr auf einen kleinen Snack.
Alles in allem war es eine sehr schöne Himmelfahrtstour. Feuer ohne Streichhölzer gemacht, unter Freiem Himmel geschlafen, einen Schlafsack verschlissen, über hundert Kilometer mit dem Rad gefahren, tolle Landschaften durchfahren, und letztendlich Zeit mit guten Menschen verbracht. Ein voller Erfolg. Danke für’s Lesen!

 
 
 
 

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