FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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Schweiß, Dreck, und gute Laune – Microcrossmos 2014

 
 
 

Schmuddelwetter bedeutet Cyclocross!

In der hiesigen Region ist Cyclocross leider eine seltene Disziplin des Radfahrens. Meist sind es Belgier, Niederländer und Franzosen, welche sich tapfer den eisigen Temperaturen und schlechten Bodenverhältnissen stellen.
Oft werden diese Rennen als große Attraktion mit vielen Zuschauern zelebriert. Es ist quasi Rennradfahren mit groben Reifen, fernab von befestigten Straßen. Sind die Strecken schlecht befahrbar, wird abgestiegen, und das Hindernis mit geschultertem Rad zu Fuß überwunden. Das erfordert Kondition, Kraft, und vorallem eine gewisse Leidensfähigkeit.
Seit September fahre ich neben dem Mountainbike auch Cyclocross und ärgere mich, dass ich es nicht schon früher entdeckt habe. Das Fahren erfordert zu gleichen Teilen Geschick und Kraft. Man kann mit hoher Geschwindigkeit durch den Wald fegen, muss sich aber auch auf Anstiege und Unwegsamkeiten einstellen. Mir macht das Rad enormen Spaß und es trainiert den gesamten Körper. Schieben ist übrigens beim Cross erlaubt, sogar erwünscht wenn man damit schneller vom Fleck kommt.

Vor kurzem besuchte ich ein lokales Querfeldein-Event nähe Dornburg an der Saale, als Zuschauer. Diese Veranstaltung hat mich so begeistert, dass ich auch solch etwas fahren wollte. Nach kurzer Recherche bin ich auf den 1.Microcrossmos nähe Berlin aufmerksam geworden. Angeboten wurde ein Cross-Wochenende mit Übernachtung, Gruppenausfahrt, und Rennevent am Sonntag. Kurzerhand meldete ich mich an und fuhr letzten Samstag nach Berlin.

Dort angekommen wurde ich gleich herzlichst begrüßt. Das Gelände war zu DDR-Zeiten ein Ferienlager, welches heute aber von einem Verein anderweitig genutzt wird. In diesem Areal fand die Veranstaltung statt. Einige Fahrer waren schon da.
Kurzerhand wurde das Rad vom Träger genommen, die Zimmer bezogen, und sich kennengelernt.
In Wernsdorf war es bitterkalt und wir hatten alle unsere Probleme damit. Kurz nach Elf Uhr startete die Gruppenausfahrt. Neben sehr schönen Cx-Rädern gab es auch Mountainbikes sowie ein Fatbike zu bestaunen. Wir fuhren direkt in den Wald und folgten unserem Radreiseführer Stefan, Gründer von 8bar-bikes.
Nach wenigen Metern kamen wir schon in die erste Sandbank. Brandenburg ist in Radfahrerkreisen auch als “der größte Sandkasten Deutschlands” bekannt – da ist definitiv was dran! Sofort merkte ich meine Defizite und eierte irgendwie dort hindurch. Nach vielleicht fünfzehn Minuten und einigen Kilometern Wald spürte ich meine Füße nicht mehr, es waren bittere minus fünf Grad Celsius und die zwei Paar Socken halfen fast nicht.

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Stefan’s Route ging einmal um den Müggelsee, wir hatten noch etliche Kilometer vor uns.

Wir fuhren und fuhren. In den Wald, am Wasser entlang, hinauf auf Berlins höchste Erhebung – 120m über NN! Wow! Vorbei an einer Downhillstrecke (kein Scherz!), über Sandbänke, und wieder am Wasser entlang. Eine ganz tolle flache Route mit schönem Blick aufs Wasser. Nach knapp drei Stunden kehrten wir wieder am Vereinsgelände ein. Es wartete Kaffee, Kuchen, und Glühwein auf uns. Wir saßen gemütlich beisammen und erzählten.
Am Abend gab es deftiges Abendessen, Alkohol floss – der Tag nahm sein Ende.

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Am nächsten Morgen wurde lecker veganes Rührei zum Frühstück aufgetischt, die ersten Rennvorbereitungen wurden getroffen. Allerdings gab es im Vorfeld noch ein Crosstraining für Anfänger. Es war sehr lehrreich und sollte uns Mut fürs Rennen geben.
Die ersten Gäste und Fahrer kamen ins Gelände und bereiteten sich vor. Es war sehr interessant was für Gefährte sich aufzeigten. Vom Edelgeschoss bis hin zum alten Mountainbike gab es alles zu sehen.
Beim Funrace war alles erlaubt was Spaß macht – hauptsache fahrbar. Als besonderes Highlight wurden fünf Stationen mit witzigen Aufgaben eingeführt, an welchen die Teilnehmer binnen acht Runden je einmal ihr Können unter Beweis stellen mussten. Unter anderem gab es Katapultzielschießen und Karaoke. Doch neben all diesem Gaudi musste noch ein Rennen gefahren werden. Ziel war es die acht Runden als erster zu erreichen, und an jeder Station ein Bändchen zu ergattern. Es war ein großer Spaß für alle Beteiligten.

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Ab vierzehn Uhr stand das eigentliche Rennen auf dem Programm. Das Fahrerfeld wurde ernster. Ich fuhr noch einige Runden um warm zu werden, dann begab ich mich an den Start. Wirklich sicher war ich mir mit der Entscheidung nicht, aber deswegen bin ich schließlich hochgefahren. Augen zu und durch war die Divise!

Es sollte einen LeMans-Start geben. Dafür wurden die Räder etwas entfernt abgelegt, alle Fahrer begaben sich zur Start-Ziel Linie, und nach dem Startsignal rannten alle los und suchten sich ihr Rad um dann direkt aufzusatteln. Es ging alles sehr schnell. Ruckzuck hatte ich mein Rad und pedalierte los. Das Fahrerfeld zog sich wie an einer Perlenkette übers Gelände. Die erste Runde war schnell, sehr schnell. Jede Position musste hart erkämpft werden. Ich verlor nach der ersten Runde zwei Plätze an schnellere Fahrer. Dann hatte ich einen Erfahrenen Starter vor mir, welchen ich drei Runden jagte. Mein größtes Hindernis war der Sand. Zwei Kurven, kurze Wiesengerade, dann wieder zwei Sandkurven. Dort verlor ich immerwieder den Kontakt. Punkten konnte ich bei den technischen Passagen und den Kurven. Es ist unglaublich wie nah man aufeinander fährt, es wird einem nichts geschenkt und wenn der Vordermann einen Fehler macht kracht man fast aufeinander. Die Strecke war total zerwühlt und es gab Spurrinnen.

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Fotos von User titzy aus dem IBC-Forum, Fatbike-Fahrer. :)

Mein Vordermann kam in einer Sandbank zu Fall und ich konnte vorbeihuschen. Nach einer weiteren Runde hatte ich eine tapfere Mountainbikerin vor mir. Sie fuhr einen harten Fuß und ich sah kaum Möglichkeiten vorbeizuhuschen. Es dauerte geschlagene vier Runden bis ich sie knapp überholen konnte, ein bitterer Kampf. Mein Kopf war im Rennmodus, mein Körper nach über der Hälfte des Rennens schon an der Grenze. Runde für Runde immer Tempo, scharfe Linie, keine Fehler. Die Mountainbikerin saß mir im Nacken, ich fuhr zwei schnelle Runden und hatte sie etwas auf Distanz. Runde elf wurde eingeläutet und ich hatte etwas Vorsprung, doch dann bemerkte ich das sich das Rad komisch anfühlt. Ein Blick hinab zur Kette zeigte mir schon das Übel: ein Plattfuß. Als ich es sah war es schon zu spät und sämtliche Luft war raus. Und das in der letzten Runde.

Ich musste das Rennen abbrechen. Es war eine herbe Enttäuschung nachdem ich so gekämpft habe – aber so ist der Rennsport. Im Ziel schaute ich mir die Zieleinläufe an. Wir waren alle unglaublich k.O. nach diesem Bewegungsüberschuss. Zum Glück gab es Bier zur Erfrischung. Auch die Kälte machte uns nichts mehr aus.

Als Highlight wurde nach dem Rennen Thüringer Bratwurst gereicht, diese brachte ich aus der Heimat mit. Allen hats geschmeckt und sie hatten Spaß.
Nach kurzer Regeneration gab es eine Siegerehrung mit kleinen Preisen.

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Es war auf jeden Fall eine großartige Veranstaltung, welche sicherlich wiederholt wird. Viele tolle Menschen kennengelernt, toll Rad gefahren, und eine schöne Zeit verbracht. Für mein allererstes Radrennen ging erstaunlich viel gut, das es mich dann mit einem Plattfuß erwischt ist ärgerlich, aber man kann schließlich nicht immer gewinnen. Das nächste Spaßrennen ist schon in Aussicht, dann in Dresden und organisiert von Veloheld (das sind übrigens alle sehr liebe Menschen mit feinem Humor!)

Vielen Dank an alle Beteiligten! Wir sehen uns zum nächsten Mal!

 
 
 
 

KOMMENTARE

 
 
  • Tim W. sagt:

    Wieder ein toller Bericht. Das sieht ja alles Knochenhart aus…
    Wenn dann sogar die Technik eher nach gibt, ist das doch der Beweis!

    Es freut mich, dass du dich immer wieder aufs Neue findest und nie aufgibst!

    Liebe Grüße, Tim.

  • [...] und Geschenken, gibt es noch Schmuddelwetter, Dunkelheit, und Cyclocross. Seit dem Microcrossmos hat mich der Querfeldeinsport gepackt. Es ist schnell, technisch, und bringt mich immerwieder an [...]


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