FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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La costanza sempre avanza – Itlaienreise 2013

 
28. September 2013 | Geschichten + Artikel
 
 

Spätsommer und Toskana passt wie warme Himbeersoße zu Vanilleeis. Ich war dort, nein wir waren dort, es war gut, sehr gut. Aber ich beginne von vorn.

In meiner Firma wurde vor einiger Zeit eine frohe Botschaft übermittelt: wir haben im Jahr 2013 zehnjähriges Jubiläum. Aus diesem Grund hat uns die italienische Konzernmutter zu sich nach Italien, genauergesagt Florenz, eingeladen. Die anfängliche Freude wurde schnell durch die lange Busanreise, und das es mit der Konzernmutter ab und an Differenzen gab und man nicht gut auf sie zu sprechen ist, getrübt. Ich entschied mich trotzdem mitzufahren und alles auf mich zukommen zu lassen, kost’ ja nischt.

Irgendwann in der Früh gings los, der Doppelstockbus war fast komplett voll. Bequeme Sitze und Klimaanlage wirkten sehr positiv. Unser Fahrer war locker drauf und lenkte uns sicher und lockerflockig über die Autobahn in Richtung Italien. Nach etlichen Pausen und über sechszehn Stunden Busfahrt kamen wir schließlich an. Es war schon tiefste Nacht als wir an unserem Weinhotel einkehrten. Das Gut war mitten in der Pampa etwa 30km von Florenz gelegen. Nicht nur die knapp siebzig Fahrgäste, sondern auch der Busfahrer und seine Assistentin, waren froh endlich angekommen zu sein. Neben engen Fahrbahnen, schlechter Beschilderung, und ellenbogenbreiten Abständen zu diversen Häuserbalkons war die Fahrt sehr entspannt. Der Spruch im Titel kam mir daher sehr passend vor: Mit Ausdauer kommt man immer vorwärts.

Nachdem wir alle aus dem Bus gepurzelt sind gab es ein italienisches Abendmahl und Wein. Das Gut war gemütlich, umgeben von Weinbergen und mit einer schönen Aussicht. Die Zimmer waren rustikal, ohne Klimaanlage, aber dafür mit fließend Wasser und Betten. Zweckdienlich. Gegen zwei Uhr früh ging es ins Bett. Der nächste morgen brachte nach einem etwas übersichtlichem Frühstück die erste Sehenswürdigkeit mitsich. Es ging nach Siena, ein schönes Städtchen mit ganz vielen kleinen Gässchen. In Siena gibt es viele Viertel, diese liefern sich zweimal im Jahr ein hartes Pferderennen, welches auf dem großen Piazza del Campo ausgetragen wird. Leider wird dadurch die Stadt auch mit Touristen überflutet, welche natürlich wie Vieh auf kürzestem Wege zu allen Sehenswürdigkeiten gepresst werden. Ein Foto hier, ein weiteres da, abmarsch zum Bus. Ich hasse solch eine Abfertigung, bin kein Mensch für soetwas. Seit Paris achte ich auf Kleinigkeiten, Streetart, kleine Szenarien, einfach alles was eine Stadt fernab von Touristenrouten interessant macht. Nach zwei Stunden ging es weiter nach San Gimignano, ein kleines Dörfchen auf einem Berg gelegen, in welchem sich die Familien gegenseitig mit dem Bau von Türmen übertrumpfen wollten. Auch hier wurden die Touristen wieder aus den Bussen gescheucht und überschwemmten das idylische Örtchen.

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Kurz nach dem Betreten der alten “Festung” bog ich links ab und verschwand in einer Seitengasse. Dort war keine Menschenseele, niemand, es war unwirklich. Nach weiteren zwei Stunden gings wieder zum Bus und dann endlich zurück zum Weingut. Allerdings gab es hier keine Freizeit, duschen und schickmachen für ein Abendessen mit dem Konzernchef war angesagt. Es ging also wieder in den Bus, wir fuhren nach Florenz. Dort gab es besagtes Abendessen und einen kurzen Spaziergang durchs nächtliche Florenz. Alle Plätze waren leer, von irgendwoher schallte Musik, bunte Lämpchen und eine sommerlich Temperatur rundeten alles ab, und das Ganze früh um halb zwei Uhr morgens. Irgendwann gegen drei Uhr kamen wir am Weingut an. Freizeit! Es ging zum Nachtbaden im angrenzenden Swimmingpool. Es floss viel Alkohol, eigentlich floss es die ganze Fahrt über. Gegen vier Uhr fielen die Augen zu.

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Der angerissene Tag bescherte uns wieder Florenz, diesmal ging es zum Mutterkonzern für ein Meet and Greet. Wieder wurden enge Gassen und schlechte Beschilderung überwunden. Im Hauptquartier angekommen gab es neben Präsentation und Rundgang ein sehr leckeres Buffet und Geschenke. Nach Verabschiedung fuhren wir mit dem Zug ins Zentrum von Florenz. Dort wurde eine Sightseeing-Tour mit einem Guide organisiert, wer mich kennt weiß, dass ich soetwas nicht mitmache und lieber auf eigene Faust losstapfe. Ich bereue es nicht.
Florenz stellte sich mir als charmante toskanische Hauptstadt vor. Überall Gässchen gefüllt mit Leben, kleinen Cafes und Ladengeschäfte. Es war eine ganz ganz tolle Zeit mit vielen Erinnerungen. Leider war die Aufenthaltsdauer zu gering, gern hätte ich mehr davon gehabt.

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Wehmütig ging es zurück zum Zug, dieser brachte uns zum Bus, und dieser wiederrum zurück zum Weingut. Der letzte Abend wurde feuchtfröhlich in doppelter Hinsicht gefeiert. Am nächsten Morgen hatte ich schwer zu kämpfen mit meinem Brummschädel und dem Körper. Es war Abreisetag. Im Bus versuchte ich viel zu schlafen, und mich mit sehr einfacher Nahrung nüchtern zu bekommen. Irgendwann am späten Nachmittag konnte ich wieder etwas anderes als trockenes Weißbrot essen. Ich hatte während der vierzehn Stunden Busfahrt wirklich eine schwere Zeit. Das war mir eine Lehre. Aber nichts destotrotz sind wir heil angekommen und hatten eine prima Zeit. Großer Dank geht natürlich an meine Firma, nicht jedes Unternehmen nimmt solche Mühen und Kosten aufsich, nur um mit der Belegschaft zu feiern. Hut ab!

Was nehme ich von dieser Reise mit?
- Busfahren kann sehr lang werden
- Bustouristik ist nichts für mich
- zuviel Alkohol vor der Abreise ist schädlich
- das Leben leben wie es kommt
- manchmal nicht zuviel nachdenken und einfach treiben lassen
- 30mm am Canon-Cropsensor sind perfekt

Vielen Dank für’s Lesen!

 
 
 
 

KOMMENTARE

 
 
  • Chris sagt:

    Toller Beitrag mit schönen Bildern.
    Italien ist für nächstes Jahr gebucht ;)

  • Ich schlisse mich Chris an. Die Fotos sind super und können mit jedem Hochglanzreisemagazine mithalten. Mit dem Bericht dazu hat man ein Kurzes Mediterranes Kopfkino. Daumen Hoch.


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