FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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Endstation Wesenberg – Teil 3/4

 
 
 

Tag 3

Zweihundertneunundachtzig Kilometer haben unsere Beine schon geradelt – keine schlechte Leistung wie ich finde. Gestern Abend verirrten sich noch zwei Frauen auf den Zeltplatz, die Fahrräder zugepackt, vom Gesichtsausdruck erleichtert das sie den Platz gefunden haben. Kennen wir irgendwoher.

Sie bauten direkt neben uns auf, ein großes Zelt mit zwei Kabinen und einer Vorkammer – Luxusvariante. Wir kamen etwas ins Gespräch und handelten mit Naturalien: Kaffee gegen Bier. Die beiden kamen von der Ostsee und wollten nach Berlin. Sie konnten uns mit hilfreichen Routentips zur Seite stehen.

Am frühen Morgen ging es los, kurz vor neun Uhr saßen wir im Sattel. Die ersten Kilometer vergingen zügig. Hinter Oranienburg wurde die Streckenqualität rapide angehoben. Es ging entlang des Havelkanals, durch kleine Ortschaften, vorbei an Booten und Schleusen. Ein herrliches Stück Natur. Wir schruppten ordentliche Kilometer bei guter Geschwindigkeit.

Mit etwas Anstrengung haben wir Fürstenberg erreicht, wer kann schon ahnen, dass Fürstenberg wirklich auf einem Berg liegt? Endlich können wir die letzte Karte beginnen.
Leider klagt Philip über schmerzende Achillessehnen, er müht sich mit Schmerzen die Berge hinauf. In Fürstenberg bekommt er von der Medizinfrau die Zaubersalbe Voltaren aufgeschwatzt. Wir sind gespannt ob es hilft.

Als Tagesziel wollten wir den Anfang der Müritz erreichen. Kurz hinter Fürstenberg, Tageskilometer einhundert ist erreicht, klagt Philip aber wieder über Probleme. Also gehen wir die vermutlich letzte Fahrt in Richtung Wustrow an, dort befindet sich in der Nähe ein Zeltplatz direkt an einem Badesee.

Ein leichtes Pegelgefühl, ausgelöst durch den warmen Sommertag, Bier und Whisky, lässt mich in der Sonnenuntergangsstimmung fast ein wenig melancholisch werden. Ich sitze also hier, die Beine im kühlen Wasser, an einem Holzsteg direkt am Zeltplatz Seewalde.
Wir sind etwa zwei Stunden nach Fürstenberg hier angekommen, es ging schneller als gedacht.

Philip ist immernoch damit beschäftigt, seinen Appetit an der Imbissbude zu stillen. Guten Hunger. Kurz vor Seewalde hatte er ordentlich zu kämpfen, dachte schon er fällt vom Rad – Respekt für die Leistung. Insgesamt einhundertsieben Kilometer sind wir heute gefahren, gerne hätte ich noch zwanzig oder dreißig drangehangen. Es fuhr sich hervorragend und ich war gut in Form. Aber sei‘s drum, es ist schließlich Urlaub und kein Wettrennen.
Wir sind heute wirklich super durchgekommen, was zum großen Teil an den prima Radwegen hier in Brandenburg/Meck-Pomm liegt. Wälder, Seen und Sehenswürdigkeiten haben wir passiert. Kurzzeitig hatten wir ein Leistungshoch und konnten mit knapp dreißig Kilometern pro Stunde ordentlich metern.
Der Zeltplatz in Seewalde ist sehr schön, mit das Beste was wir in den letzten Tagen hatten. Ordentliche Lage, familiär, spielende Kinder, Familien, einige Wohnwagen – eben wie man sich einen lebhaften Zeltplatz vorstellt. Ein Idyll direkt am See.

Leider steht das Resultat fest: morgen werden wir die Heimreise antreten. Philips rechte Achillessehne ist Daumendick, gerötet und tut – nach seiner Aussage – immens weh. Auch Voltaren kann hier nichts mehr tun.
Eine Weiterreise ist ohne Fußamputation nicht möglich, Philip entschied sich seinen Fuß zu behalten, deswegen fahren wir morgen heim.

 
 
 
 

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