FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
Paris 2012
 

Paris – Blechlawinen, teure Mode und Touristen

 
16. April 2012 | Neuigkeiten, Streifzüge
 
 

Allzuoft sieht man in Fotobüchern, Zeitschriften und Filmen wunderschöne Bilder aus Paris. Gedanklich malt man sich selbst in eine kleine Cafeszene ein, der Gemüsehändler gegenüber winkt einem zu, während sich die eigenen Finger am mild dampfenden Capuccinotässchen wärmen. Auf dem kleinen Bistrotisch, an welchem ihr schon einige Minuten sitzt, liegt eine alte abgegriffene Analogkamera, der Trageriemen hängt über die Tischkante herab. Am Fuße des Tisches sitzt ein kleiner schneeweißer Hund mit rotem Halsband und wartet auf herabfallende Krümel des leckeren Schokocroissants, in welches ihr genüsslich hineinbeißt. Es passieren immerwieder adrett gekleidete Personen das kleine Cafe, die Morgensonne lächelt freundlich über die Seine, es riecht nach Frühling und man kann ein Akkordeon in einer fernen Gasse hören…

Genau so stellte ich mir Paris vor, viele Impressionen von Fotografen haben dieses Puzzle in meinem Kopf zusammengestellt. Mit 15 war ich das erste Mal dort, es handelte sich damals um eine Sprachreise meiner Schule. Wir wohnten in einem netten kleinen Hotel, besuchten bei Regenwetter die meisten Sehenswürdigkeiten, und sprachen nachwievor Deutsch. Soviel zum Thema Sprachreise.

Nichtsdestotrotz ging es letzte Woche wieder an diesen romantischen Ort.

Gewohnt haben wir in einer großen Ferienwohnung relativ nah am Triumphbogen und dem Eiffelturm, eine Metro war in wenigen Gehminuten erreichbar. Das romantische Chaos begann jedoch schon mit der Parkerei. Wir waren insgesamt sieben Personen, verteilt auf zwei Autos. Paris ist eng bebaut, Parkpkätze sind knapp gestreut, und wenn verfügbar, dann mit Zeitlimit. Wir parkten letztendlich in einem naheliegendem Parkhaus, mit etwas Verhandlungsgeschick konnten wir den Mietpreis für fünf Tage auf knapp hundertzwanzig Euro senken, pro Fahrzeug wohlgemerkt! Für diese Summe gab es allerdings einiges geboten: ein 4-stöckiges, unterirdisches Parkhaus mit Parksensoren, klassischer Musik, und optionalem Waschservice. Nachdem wir alles Gepäck in der Wohnung verstaut hatten ging es auf kurze Entdeckungsreise durch die Straßen.
Nach wenigen Metern wurden wir ins Paris des 21. Jahrhunderts geholt. Anstatt romantischem Ambiente treffen wir auf hektischen Verkehr: Motorroller, Taxis, Autos, Radfahrer – alles mit mindestens zwei Rädern wühlt sich wie ein Tsunami durch die engen Gassen. Betrachtet man die parkenden Autos im Detail, fällt auf, dass oft die gesamte Karosse in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Stoßfänger sind zerkratzt, eingedellt, zum Teil auch gesprungen und provisorisch zusammengeklebt. Gut das unsere Fahrzeuge im klassischen Musikambiente tief unter der Erde stehen.
Es gibt aber auch edelste Autos wie z.B. Bentley, Ferrari, Porsche und andere hochpreisige Kaliber zu sehen – unser Viertel muss anscheinend zu den gehobeneren gehören. Wir ließen den ersten Abend mit Wein ausklingen.

Die ganze Woche war mit Sightseeing, Herumlaufen, Metrofahren, Essengehen, und Fotografieren gefüllt. Ich habe mir im Vorfeld keine Motive und Gedanken ausgemalt, es sollte ein Sprung ins kalte Wasser werden. Nach den ersten beiden Tagen war mir klar, dass ich weniger Wert auf Sehenswürdigkeiten lege, viel eher sollten Menschen, Szenen und untypische Parisaufnahmen meine Aufmerksamkeit bekommen.
Richtig stark war der Besuch des Sacre Coeur im Montmartre-Viertel. Man kann für eine geringe Gebühr die 300 Stufen auf die Spitze der Basilika erklimmen. Oben angekommen wartet ein spektakulärer Ausblick über Paris. Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter, ein breites Wolkenband und immerwieder Sonnenschein füllten den Tag, klasse Fotos sind entstanden. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass die Basilika von Touristen überlaufen ist. Am meisten gingen mir aber die  Mitbürger auf den Wecker, welche uns ständig ihren billigen Souvenirplunder andrehen wollten. Vorallem wurden diese Personen irgendwann pampig als man ständig Nein gesagt hat – schlichtweg nervig.

Was mich an Paris enorm erstaunt hat, zweikommafünf von drei Parisern haben ein Iphone am Ohr, überhaupt telefonieren die französischen Hauptstädtler sehr viel. Neben Iphone sind auch andere Obstprodukte wie Macbook und Ipad in großer Anzahl vertreten, einige Touristen fotografieren sogar mit dem Ipad auf ihrer Reise – witzig anzusehen das Ganze.

Aber nicht alles war prima. Zu nennen wäre da zum Beispiel der Louvre. Wer nicht gerade ein Kenner der Kunst- und Malerszene ist, kann diesen Besuchermagneten meiden, die meisten Touristen schauen sich eh nur die unechte Mona Lisa an. Wir hatten das Pech, dass wir erst gegen siebzehn Uhr Einkehr gefunden haben, nach einer dreiviertelstunde kamen schon die ersten Lautsprecherdurchsagen, dass wir uns demnächst zum Ausgang begeben sollen – das Museum schließe bald. Fand ich persönlich nicht schlimm. Einzigst für die Architektur in der schicken hellen Vorhalle konnte ich mich richtig begeistern, macht einiges her in Schwarzweiß.

Als weiteren negativen Punkt sind mir die monotonen Einkaufsmöglichkeiten aufgefallen – ich habe nichts dagegen wenn ein Kaufhaus sich mit Prunk und Protz schmückt, aber jedes Kaufhaus, welches wir besucht haben, trumpfte mit gefühlt neunzigprozent Mode auf. Nichts gegen Mode – vorallem nicht in der Modehauptstadt, aber bei hauchdünnen Fetzen für mehrere Monatsgehälter hört der Spaß auf, vorallem wenn es nichts anderes zu sehen gibt!! Ich hatte mir erhofft vielleicht einen schnieken Elektronikladen zu finden, welcher mit exotischen Apparaten wie zum Beispiel einer neuen Nikon, Canon, Fuji oder Leica aufzutrumpfen weiß. Gerade letzteres passt prima in die pariser Prunkgesellschaft, als dekoratives Accessoire um den Hals. Leider fand ich nichts dergleichen.

Alles in allem war die Parisreise ein netter Ausflug. Das Fotografieren hat mir Spaß gemacht, ich konnte einige Impressionen der Menschen mitnehmen, habe meinen ersten Applestore gesehen, und bin fast unversehrt zuhause angekommen. Ein paar nette Bilder sind auch entstanden.
Ob ich Paris empfehlen kann? Man muss die Hektik der Stadt vertragen können, sich vermutlich fernab der Touristenrouten aufhalten, und sollte die Sprache sprechen, ja dann kann ich es uneingeschränkt empfehlen. Alles andere wäre gelogen.

Viel Spaß mit der Bilderflut!

Merci pour la lecture.

 

Und los gehts mit schwarzweiß…

Und einige Menschen… :-)

 

 
 
 
 

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