FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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So weit die Füße tragen

 
16. Mai 2011 | Geschichten + Artikel
 
 

Der letzte Beitrag ist schon eine Weile her. Dies resultiert zum einen aus einer gewissen Fotofaulheit, zum anderen aus Zeitmangel. Mein Alltag wird durch Lauftraining, Arbeit und Nebenaktivitäten wie z.B. Wohnungssuche und Besichtigungen geformt.

Laufen steht bei mir aber ganz hoch im Kurs, sogar mehr als die Fotografie.
Seit Ende Januar besitze ich passende Laufschuhe. Mit diesen neuen Weggefährten war ich bisher über 100 Stunden auf der Strecke und absolvierte über 450km. Durch das Laufen wird der langweilige Alltag herausgeschwitzt, der Körper durch verschiedene Trainingsarten optimiert und geformt. Am Ende ist man mental besser drauf, der Körper fühlt sich gut an und man hat mehr Ausdauer im Alltag. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Wer einmal mit dem Virus Laufen infiziert wurde, der kommt so schnell nicht davon los.
Letzte Woche Montag war ich nach einem langen Arbeitstag wieder auf der Piste – es sollte ein normaler Dauerlauf über 10km werden. Am Anfang war alles wie immer, doch nach wenigen Kilometern war der Körper auf Hochtouren und meine Beine wollten schneller als der träge Oberkörper nachkam. Als ich daheim ankam schaute ich auf die Pulsuhr und bestaunte eine neue Bestzeit. Das hat mich so beflügelt, dass ich mir Gedanken um einen Wettkampf gemacht habe. Dieser sollte am Samstag darauf stattfinden. Es handelt sich um den Lobdeburglauf, einen 15km langen Berglauf mit einem Höhenunterschied von 235m. Dieser Wettkampf gehört zur Laufserie „Saale-Cup“, in dieser Serie ist er der längste und anspruchsvollste Lauf.

Natürlich waren die Nervosität und die innere Frage, ob man nicht gnadenlos versagen würde, sehr ausgeprägt. Nach langem Hin und Her entschied ich mich dennoch für eine Anmeldung.
Ich fragte meinen Freund Björn, ob er nicht auch Lust auf den Lauf hätte – durch ihn bin ich zum (ernsthaften) Laufen gekommen, von ihm holte ich mir auch am Anfang viele Tips. Er sagte zu. Prima!

Wir trafen uns also am besagten Samstag um neun Uhr auf dem Sportplatz. Es waren schon einige Läufer eingetroffen, viele kannten sich untereinander. Der Altersdurchschnitt lag geschätzt bei 40. Es gab auch sehr alte Läufer, zum Teil Baujahr 1936 – Respekt!
Natürlich war mir die Nervosität auf die Stirn geschrieben, dafür sah ich in den Laufklamotten super aus – binnen der letzten Monate habe ich gut 10kg Gewicht verloren. :-)

Wir holten beide unsere Startnummern ab und befestigten diese an unseren Shirts. Fünfzehn Minuten vor dem Start liefen wir uns mit zwei Runden auf dem Sportplatz locker und warm. Daraufhin folgten einige Dehnübungen. Nun sollte nichts mehr schiefgehen.
Fünf Minuten vor dem Start erfuhr ich von einer freiwilligen Helferin, dass es keine Versorgung während des Laufs geben sollte. Oje! Ich füllte mir noch schnell eine kleine Trinkflasche ab und ging dann zum Start. Alle waren angespannt und bereit.

Während der Moderator noch eine Ansprache hielt, da schossen mir noch einige Gedanken durch den Kopf „Bist du hier wirklich richtig?“ „Schaffst du das überhaupt?“ „War das Training in Ordnung?“ „Wie…“

Peng! Der Startschuss ertönte – die Masse rollte langsam voran. Nun gab es kein Zurück mehr! Wir standen im Starterfeld relativ weit hinten. Nun wurde es vor uns lichter, wir rannten los. Der Kopf wurde klar, es gab nur ein Ziel: Rhythmus finden und durchhalten!

Der Ablauf war einfach: zuerst zwei Runden auf dem Sportplatz, anschließend gings durch ein kleines Stadtdorf direkt in die Berge. Die zwei Runden auf dem Sportplatz waren schön fürs Einlaufen und Rhythmus finden. Björn war nach einer Runde schon aus meinem Blickfeld, ich orientierte mein Tempo strikt am Herzschlag in Prozent. Wir rannten also vom Sportplatz herunter, durchquerten das kleine Stadtdorf „Altlobeda“ und erreichten eine Schotterstraße, welche uns die nächsten 2.5km bergauf begleiten sollte.
Als ich das Dorf passierte, dachte ich, dass ich viel zu langsam sei. Nach wenigen hundert Metern auf der Schotterstraße überholte ich aber schon etliche Läufer. Nach weiteren 2km hatte ich viele Schnellstarter überholt, welche jetzt am Berg durchhingen und sich mühevoll hinaufschleppten. Ich hatte mit dem Berg nicht allzuviele Probleme, nur 100m vor dem „Gipfel“ ging ich die letzten Meter, weil meine Pulsuhr mit 97% Herzfrequenz wild piepte. Oben angekommen verschnaufte ich noch einen Moment und machte mich auf den Weg über ein schönes Plateau.
Die warme Sonne, die grünen Wiesen und der blaue Himmel waren unsere Wegbegleiter für die nächsten Kilometer. Es ging dann steil bergab bis wir auf einen schmalen Waldweg wechselten. Nun wurde es eng, Überholmöglichkeiten waren rar gesäht.

Ich überholte oft in den etwas breiteren Kurven, anschließend baute ich wieder Tempo auf um mir einen kleinen Vorsprung zu erarbeiten. Das Streckenprofil war eine Wucht: schmale, geschwungene, weiche Waldwege mit Wurzeln und kleinen Hindernissen. Einfach toll!

Laufen in der Gruppe macht ordentlich Laune, außerdem vergisst man sehr schnell die Zeit und ist erstaunt, wie schnell die Kilometer doch verfliegen. So ging es auch mir – ich wurde durch eine Achtergruppe ein wenig auf den schmalen Pfaden gebremst und bin „mitgeschwommen“. Nach dem zehnten Kilometer hatte ich diese Gruppe verlassen und konnte wieder Tempo aufbauen. Es folgten dann noch einige kurze Anstiege bis zur Lobdeburg. Anschließend ging es aber mit ordentlich Tempo wieder bergab – das war eine Tortur für die Beine und Gelenke. Welch‘ Freude als ich unten angekommen war!

Wir kamen wieder auf der Schotterstraße heraus, auf welcher wir uns am Anfang hochgequält haben. Nun ging es zurück zum Sportplatz – geschätze 2,5km Restweg. Als ich Altlobeda passierte, merkte ich deutlich die Anstrengung. Mein Puls war jetzt dauerhaft bei weit über 90%, meine Beine wurden langsam schwer. Aber der Ehrgeiz lies keine Schwäche zu. Etwa 900m vor dem Ziel wurde ich durch einen Helfer nochmal motiviert.

Es ging jetzt um die letzten 600m, am liebsten hätte ich sofort abgebrochen – es war nur noch ein Gefühl, als wenn das Herz gleich aus der Brust springt. Die Lunge war am Limit, die Beine wie mit Beton ausgefüllt. Ich passierte die Sportplatzlaufbahn, roter Staub stiebte auf. Der Zieleinlauf war in Sicht, ich rannte nur noch. Auf der Zielgerade habe ich einen Mitläufer vor mir gesehen, Kampfgeist sowie Ehrgeiz befahlen dem Körper noch einmal alles herauszuholen. Ich mobilisierte noch einmal alle Reserven, welche ich eigentlich nicht hatte, und setzte zu einem schnellen Schlusssprint an. Ich holte den Mitläufer ein, und überholte ihn noch genau einen Meter vor der Ziellinie! Geschafft! Ich lief noch einige Meter hinter dem Ziel aus und stoppte meine Zeit auf der Uhr.

Neben dem Ziel erwarteten mich schon Christiane, Björn, Anne, sowie mein Vater, welcher kurz vorbeigeschaut hatte. Wahnsinnsgefühl, am Ende wirklich alles gegeben zu haben.
Nach einigen Getränken und kurzen Gesprächen mit Mitläufern holte ich meine Urkunde ab. Über meine Zielzeit war ich baff: 1:22:56 Minuten!! Das Training war also richtig.

Ich bin über die Zeit sehr stolz, aber vor allem bin ich stolz auf die Überwindung meines inneren Schweinehundes. Mir hat dieser Wettkampf so viel Spaß gemacht, dass ich mir schon die nächsten ausgesucht habe. Es bleibt also spannend!

Großer Dank geht an Christiane – aus ihrer kleinen Lumix kommen die Bilder! :-)
Vielen Dank fürs Lesen!

 
 
 
 

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