FOTOBLOG VON HANNES KRONEBERGER

 
 
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Weniger ist manchmal Mehr

 
8. März 2011 | Neuigkeiten
 
 

Ob Arbeit, Finanzen oder Emotionen – Weniger ist manchmal Mehr! Ich finde, man kann diesen Spruch sehr schön auf die Fotografie projezieren. Im Laufe der Jahre entwickelt man sich als Amateurfotograf weiter. Nicht nur die Ansprüche, Ideen und der Spaß steigen, sondern auch die Technik und das “Habenwill”-Syndrom. Ich habe persönlich rein gar nichts dagegen, wenn sich eine Person mit hunderten von Objektiven, Kameras und all dem schönen Profischnickschnack austattet – solange es das Gewissen jener Person beruhigt. Andererseits verfolge ich diesen Trend von vielen Amateuren sehr kritisch, denn oftmals werden die erzielten Ergebnisse den vielen Ausgaben nicht gerecht. Leider!

Sehr oft folgt dem Technikhunger eine lange Kreativitätsdiät. Die Technik ist vorhanden, das Wissen der Bedienung wurde über Jahre elitär geschult, dennoch fehlt etwas ganz Entscheidendes: der Blick für tolle Motive, Emotionen und das Leben. Ich möchte mich auch zu dieser Gruppe zählen, dennoch bin ich oftmals das “blinde Huhn”, welches durch übernatürliche Fähigkeiten am Ende doch den Schnaps findet. Aber ich bin nicht allein! Auf meinem Weg durch die Welt habe ich schon mit etlichen Hobbyfotografen gesprochen. Viele von ihnen machen wirklich schöne Bilder, meistens sind es aber auch nur Hühner… mit ziemlicher dicken Kameras.

Warum sind viele unserer Art so betriebsblind? Wir besitzen mitunter bessere Technik als der Berufsfotograf, stecken haufenweise Geld in unser Hobby, besuchen Workshops um uns weiterzuentwickeln, aber am Ende schaffen wir es nicht eine Emotion über ein Bild zu transportieren. Woran liegt das? Ist es die reine Faulheit der Digitaltechnik oder etwas anderes? Unsere riesigen Speicherkarten werden in Rekordtempo gefüllt, die Auslöserzähler unserer Kameras rattern wie ein Maschinengewehr – all der Aufwand, das Geld und die Technikschlepperei für mittelklassige Bilder, welche nach spätestens zwei Jahren aus dem Gedächtnis verschwinden. Schade! Für mich ergibt sich daraus eine stetig wachsende Zahl an “befriedigenden” Bildern, die Fotonetzwerke werden überfüllt, immer mehr Amateure verlieren dadurch ihre eigene Kreativität. Die Folge sind Kopien von der Kopie einer Kopie – das Ganze ohne die Angabe von Quellen.

Dies soll keine Kritik am schönsten Hobby der Welt sein, dennoch sollte man eventuell beim Kauf der nächsten Technik ein wenig in sich gehen und sich ernsthaft fragen, ob man durch diese Neuanschaffung nur den inneren “Habenwill”-Trieb besänftigt oder es einen wirklich fotografisch voranbringt.

Ich bin ein großer Freund von einfach zu bedienender Technik, einer der Gründe warum ich nebenbei analog fotografiere. Dennoch fühle ich mich mit meinem ganzen Kamerakram eindeutig überlastet. Aus diesem Grund versuche ich gerade gut zwei Drittel meines Objektivparks zu minimieren – das Ziel steht fest: eine Kamera, zwei Objektive, und nur das nötigste an Zubehör. Immer daran denken: Weniger ist manchmal Mehr!

Danke für’s Lesen, und immer gutes Licht!

 
 
 
 

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